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Rösrath braucht starken Lokaljournalismus

27.09.26 – von LZ –

Mit großer Sorge haben wir von der geplanten Auflösung der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft und dem damit verbundenen Stellenabbau beim Kölner Stadt-Anzeiger erfahren. Auch der Rheinisch-Bergische Kreis und damit Rösrath sind davon unmittelbar betroffen.

Für uns als kommunalpolitisch aktive Partei ist eine starke, unabhängige lokale Presse unverzichtbar. Die lokalen Redakteurinnen und Redakteure sind regelmäßig bei Ratssitzungen und Ausschüssen vor Ort. Sie kennen die Themen, die handelnden Personen und die Vorgeschichten vieler Entscheidungen. Vor allem aber berichten sie unabhängig und sachlich über unterschiedliche politische Positionen. Diese kontinuierliche Begleitung schafft Öffentlichkeit und sorgt dafür, dass kommunalpolitische Entscheidungen nicht nur innerhalb von Verwaltung und Politik stattfinden.

Gerade auf kommunaler Ebene ist diese Arbeit ein wichtiger Bestandteil unserer Demokratie. Viele Entscheidungen, die den Alltag unmittelbar betreffen, werden hier getroffen: über Schulen, Verkehr, Stadtentwicklung, Klimaschutz, soziale Angebote oder die Verwendung öffentlicher Gelder. Damit Bürgerinnen und Bürger sich ein eigenes Urteil bilden und sich beteiligen können, müssen sie erfahren, was in ihrer Stadt passiert, welche Argumente ausgetauscht werden und warum Entscheidungen getroffen werden.

Lokale Berichterstattung ist deshalb auch eine Voraussetzung für politische Teilhabe. Wer nicht weiß, welche Themen gerade verhandelt werden, kann sich schwer einbringen. Das betrifft Bürgerinitiativen ebenso wie Vereine, Eltern, Jugendliche oder Menschen, die sich bislang nur wenig mit Kommunalpolitik beschäftigen.

Dabei dürfen wir besonders diejenigen nicht aus dem Blick verlieren, die digitale Informationsangebote weniger oder gar nicht nutzen. Gerade für viele ältere Menschen ist die gedruckte Lokalzeitung nach wie vor ein wichtiger Zugang zum gesellschaftlichen und politischen Leben ihrer Stadt. Wenn lokale Berichterstattung reduziert, zentralisiert oder zunehmend auf digitale Prozesse zugeschnitten wird, droht ein Teil der Bevölkerung schlechter erreicht zu werden. Das wäre auch für demokratische Beteiligung ein Verlust.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können Redaktionen bei ihrer Arbeit unterstützen. Sie können aber journalistische Präsenz vor Ort nicht ersetzen. Die Ergebnisse von KI müssen vor einer Veröffentlichung immer von Menschen fachlich geprüft, eingeordnet und bewertet werden. Gerade im Lokaljournalismus braucht es dafür Redakteurinnen und Redakteure, die gut vernetzt sind, die örtlichen Zusammenhänge kennen und Entwicklungen über längere Zeit verfolgen. Diese Einordnung kann aus unserer Sicht niemand leisten, der ausschließlich am Schreibtisch arbeitet und die Situation vor Ort in den Kommunen nicht kennt.

Eine automatisierte Auswertung kennt nicht die Vorgeschichte einer jahrelangen Rösrather Debatte. Sie erlebt keine Ratssitzung, keine Bürgerversammlung und keine Diskussion vor Ort. Sie kann nicht spontan nachfragen, Widersprüche erkennen oder Stimmungen einordnen.

Deshalb betrachten wir den Abbau redaktioneller Stellen im Lokaljournalismus mit großer Sorge. Weniger Journalistinnen und Journalisten vor Ort können im Ergebnis auch weniger Kontrolle, weniger Einordnung und weniger öffentliche Aufmerksamkeit für kommunale Entscheidungen bedeuten.

Eine lebendige Demokratie braucht nicht nur politische Beteiligung, sondern auch eine Öffentlichkeit, in der Entscheidungen kritisch begleitet und unterschiedliche Positionen sichtbar werden. Lokale Journalistinnen und Journalisten leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.

Wir wünschen uns deshalb vom Kölner Stadt-Anzeiger ein klares Bekenntnis zu einer personell gut ausgestatteten lokalen Berichterstattung im Rheinisch-Bergischen Kreis und in Rösrath. Technischer Fortschritt darf nicht dazu führen, dass genau jene journalistischen Strukturen geschwächt werden, die für Information, Beteiligung und demokratische Kontrolle vor Ort so wichtig sind.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Rösrath

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