

10.01.24 –
Trotz des Verständnisses für die besorgten Berufskollegen möchte ich einige Gedanken zu den aktuellen Ereignissen teilen. Es ist natürlich enttäuschend, wenn sicher geglaubte finanzielle Mittel wegfallen. Besonders ärgerlich ist es, dass Bauern offenbar Kürzungen hinnehmen müssen, während große Teile der von staatlichen Subventionen profitierenden Gesellschaft unberührt bleiben. Die Pendlerpauschale ist nur ein Beispiel dafür. Jedoch könnte ein schrittweiser Abbau von Förderungen, die klimaschädlich sind, und eine Neugestaltung der landwirtschaftlichen Subventionen in Form einer Prämie, die allen zugutekommt, für jeden Landwirt akzeptabel sein. Es gibt Ideen für solche Prämienmodelle, wie z. B. die Gemeinwohlprämie des DVL (Deutscher Verband für Landschaftspflege), zu finden unter: https://www.dvl.org/aktuelles/nachrichtendetails/gemeinwohlpraemie-einfach-erklaert. Die derzeitige EU-Förderung für Landwirte entwickelt sich ebenfalls in diese Richtung.
Die eigentlichen Probleme der Landwirte sind weder der Wegfall der KFZ-Steuerbefreiung und Dieselrückvergütung noch der Wolf als solcher. Unsere Herausforderungen liegen vielmehr im Klimawandel, dem Artensterben, dem Flächenverbrauch, der übermäßigen Bürokratie, dem Fachkräftemangel und dem anhaltenden Versuch, in einer kleinteiligen, bergigen Landschaft hochwertige Lebensmittel zu Weltmarktpreisen zu produzieren. Wo seid ihr, liebe Berufskollegen, mit euren Traktoren bei den Klimaprotesten oder bei 'Fridays for Future', die dafür kämpfen, dass wir auch in Zukunft unter gewohnten Klimabedingungen unsere Flächen bewirtschaften können? Warum tragt ihr durch den Verkauf von Bauland zum Flächenverlust bei? Welchen Beitrag leistet ihr für die unterbezahlten Landwirte in Entwicklungsländern, die wider Willen zu unseren Konkurrenten werden?
Das Einzige, was mich an dieser Stelle hoffnungsvoll stimmt, ist der Glaube daran, dass die meisten Landwirte sehr wohl wissen, welche die eigentlichen Probleme sind, und sich aktiv damit auseinandersetzen. Die Protestierenden, die sich hier zum Teil auch noch unangemessen der rechten Szene nähern, sind in Wahrheit die Minderheit.
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